Red Lions Frauenfeld

Der Thurgauer Unihockeyverein mit Biss!
09.09.2026 - 10:20 Uhr
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Ein Löwenherz schlägt für die nächste Generation – das grosse Interview

Red Lions Allgemein
Andrea Reto Padrun
Rund 150 Kinder und Jugendliche, engagierte Trainerinnen und Trainer und eine gemeinsame Idee, wie Nachwuchsarbeit bei den Red Lions aussehen soll. Mit «Born to be a Lion» gehen wir nun den nächsten Schritt. Jugendverantwortlicher Benny Heins erklärt, warum dabei die Menschen an der Bande entscheidend sind und was unser Löwenherz damit zu tun hat.
Ein Löwenherz schlägt für die nächste Generation – das grosse Interview
Benny Heins - Leiter Jugendabteilung

Kinder kommen mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Ambitionen zu uns. Unser Anspruch ist es, ihnen allen ein Umfeld zu bieten, in dem sie sich sportlich und persönlich entwickeln können.

Eine Schlüsselrolle spielen dabei unsere ehrenamtlichen Trainerinnen und Trainer. Mit einer professionellen 20%-Stelle für einen Ausbildungscoach wollen wir sie künftig gezielter begleiten und unterstützen. Möglich wird dieser nächste Schritt dank unserer Gönnervereinigung Löwenherz und der zusätzlichen Unterstützung durch das Migros-Kulturprozent während der Pilotphase.

Im Gespräch erzählt Jugendverantwortlicher Benny Heins, welches Bild er von guter Nachwuchsarbeit hat, warum nicht jedes Kind denselben Weg gehen muss und weshalb eine Investition in unsere Trainerinnen und Trainer letztlich vor allem eine Investition in die nächste Generation der Red Lions ist.

 

Red Lions: Benny, rund 150 Kinder spielen heute in unserer Jugendabteilung. Was sollen sie einmal über ihre Zeit bei den Red Lions erzählen können?

Benny Heins: Wenn unsere Spielerinnen und Spieler zurückblicken, wünsche ich mir, dass sie mit leuchtenden Augen an die Jahre bei uns denken: an viele positive Momente, an die Emotionen gewonnener und verlorener Spiele, an Trainerinnen und Trainer, die an sie geglaubt und sie motiviert haben, und an Freundschaften, die oft weit über den Sport hinaus Bestand haben.

Natürlich wollen wir sportlich das Beste bieten: Wer das Talent und den Ehrgeiz für den Spitzenbereich mitbringt, soll bei uns das Fundament bekommen - etwa für den Sprung an eine Sportschule. Aber gute Nachwuchsarbeit misst sich für mich nicht allein an Titeln oder an der Zahl der Sportschüler. Sie misst sich daran, ob ein Kind sich nach seinen individuellen Möglichkeiten weiterentwickelt, Selbstvertrauen gewinnt und die Freude an der Bewegung fürs Leben mitnimmt.

«Wenn unsere Spielerinnen und Spieler zurückblicken, wünsche ich mir, dass sie mit leuchtenden Augen an die Jahre bei uns denken.»

Red Lions: Die Red Lions hatten auch bisher eine grosse Jugendabteilung und viele engagierte Trainerinnen und Trainer. Warum habt ihr trotzdem vor rund eineinhalb Jahren begonnen, «Born to be a Lion» zu entwickeln?

Benny Heins: Wie fast alle Vereine in unserer Sportart leben wir zu 100 Prozent vom ehrenamtlichen Engagement – einer Leistung für Gesellschaft und Jugend, die im Alltag – unabhängig von Verein und Sportart - oft unterschätzt wird. Unsere Trainerinnen und Trainer leisten seit Jahren Grossartiges mit enormem Herzblut. Genau diesem Engagement wollen wir eine verlässliche, unterstützende Struktur und Rückendeckung geben.

Bisher waren unsere Teams oft als kleine Inseln unterwegs – mit ganz individuellen Vorstellungen davon, wie trainiert, gespielt oder kommuniziert wird. Es geht uns nicht darum, alles gleichzumachen oder die Eigenkreativität einzuschränken. Wir möchten aber auch nicht einfach viele Teams haben, die zufällig dasselbe Trikot tragen. Wir wollen einen gemeinsamen roten Faden knüpfen: Man soll von den jüngsten Leolinos bis zu den ausgewachsenen Löwinnen und Löwen spüren, dass alle dieselbe sportliche DNA teilen und als Red Lions erkennbar sind.

«Wir wollen nicht einfach viele Teams haben, die zufällig dasselbe Trikot tragen.»

Red Lions: Hinter «Born to be a Lion» stecken rund eineinhalb Jahre Arbeit. Warum habt ihr euch für die Entwicklung so viel Zeit genommen – und wie wichtig war dabei die Unterstützung durch Thurgau Unihockey?

Benny Heins: Der einfachere Weg wäre gewesen, das alte Papier schnell mit ein paar aktuellen Begriffen und Entwicklungen aufzufrischen. Aber wem nützt ein Konzept, das am Ende nur als PDF auf der Website verstaubt? Hilft uns das weiter?

Wir wollten zuerst klären, wofür wir als Verein stehen: Was sind die heutigen Anforderungen an junge Spielerinnen und Spieler? Was bedeutet das für das so wichtige Umfeld der Kinder? Wie binden wir Eltern partnerschaftlich ein? Wie begleiten wir ehrenamtliche Trainerinnen und Trainer und wie gestalten wir den Übergang zwischen Breiten- und Leistungssport?

Die enge Zusammenarbeit mit Thurgau Unihockey war dabei unverzichtbar. Der Sport, das Unihockeyangebot und das Spektrum an Ausbildungsgefässen im Thurgau haben sich die letzten Jahre weiterentwickelt. Als eine der grössten Jugendabteilungen im Kanton wollten wir keine isolierte Vereinslösung schaffen. Unser Weg schliesst nun nahtlos an die kantonalen und regionalen Fördergefässe an, damit wir Synergien nutzen und Kräfte bündeln.

 

Red Lions: Nicht jedes Kind hat dieselben Ambitionen und Voraussetzungen. Wie schafft es «Born to be a Lion», unterschiedlichen Wegen gerecht zu werden?

Benny Heins: Für die einen ist Unihockey der perfekte Ausgleich zur Schule – Bewegung, Spass und Freunde stehen im Vordergrund. Andere brennen darauf, viermal pro Woche in der Halle zu stehen und an jedem Detail zu feilen.

Das Stammteam in der jeweiligen Altersstufe bleibt für alle Spielerinnen und Spieler das emotionale und sportliche zuhause, das Halt gibt. Darauf bauen wir mit flexiblen Zusatzangeboten und individuellen Förderpfaden auf. Wir stellen Weichen ganz bewusst nicht zu früh: Fördern ja, aber nicht überfordern. Und wenn ein Talent irgendwann über unsere Vereinsgrenzen hinauswächst und den Schritt in kantonale Fördergefässe macht, klatschen wir Beifall. Das ist kein Verlust, sondern der beste Beweis für funktionierende Ausbildungsarbeit. Unsere Aufgabe ist es nicht, alle ans selbe Ziel zu führen – sondern jedem Kind seinen passenden Weg zu ebnen.

«Unsere Aufgabe ist es nicht, alle ans selbe Ziel zu führen – sondern jedem Kind seinen passenden Weg zu ebnen.»

Red Lions: Ein Nachwuchskonzept kann noch so gut sein – auf Papier verändert es kein einziges Training. Wo entscheidet sich, ob «Born to be a Lion» tatsächlich bei den Kindern ankommt?

Benny Heins: Direkt in der Halle, bei unseren Trainerinnen und Trainern.

Sie sind das Gesicht des Vereins für die Kinder. Ein zehnjähriges Kind liest kein Konzept; es erlebt, wie der Coach es nach einer missglückten Aktion aufbaut, wie er Fairness vorlebt, Übungen anleitet, Begeisterung weckt, zum Weiterkämpfen animiert und Teamgeist vermittelt.

Trainerinnen und Trainern transportieren die Werte in den Trainingsalltag. Das beste Konzept nützt nichts, wenn wir die Menschen an der Bande nicht einbinden. Genau deshalb setzen wir dort an: Wir wollen unsere Trainerinnen und Trainer im Trainings- und Spielbetrieb spürbar unterstützen und begleiten.

 

Red Lions: Genau dort setzen wir jetzt an: Die Red Lions schaffen eine professionelle 20%-Stelle für einen Ausbildungscoach. Was soll diese Professionalisierung konkret verändern?

Benny Heins: Ganz wichtig ist mir zunächst festzuhalten: Wir machen aus dem Kinderunihockey keinen durchgetakteten Profibetrieb. Im Gegenteil, wir professionalisieren die Rahmenbedingungen für unsere ehrenamtlichen Trainerinnen und Trainern.

Wenn jemand am Dienstagabend nach einem langen Arbeitstag in die Halle kommt, soll er oder sie sich nicht als Einzelkämpfer fühlen. Unser Ausbildungscoach steht den Trainerinnen und Trainern als Sparringspartner zur Seite: Er gibt praxisnahes Feedback, hilft bei Trainingsformen und sorgt dafür, dass unsere Philosophie mit Leben gefüllt wird. Wir verdrängen das Ehrenamt nicht – wir stärken es, geben Sicherheit und schaffen echte Wertschätzung für ein hoffentlich langes Engagement und bieten Perspektiven für die persönlichen Weiterentwicklung.

«Wir verdrängen das Ehrenamt nicht – wir stärken es.»

Red Lions: Mit Unterstützung unserer Gönnervereinigung Löwenherz können wir diesen nächsten Schritt nun tatsächlich gehen. Warum ist gerade die Investition in die Ausbildung und Begleitung unserer Trainerinnen und Trainer so wertvoll?

Benny Heins: Weil wir über die Trainerinnen und Trainer den grössten Hebel haben – sie sind unsere Multiplikatoren. Der Ausbildungscoach begleitet und stärkt rund 20 Trainerinnen und Trainer, die wiederum Woche für Woche mit 150 Kindern in der Halle arbeiten.

Jeder Franken in die Trainerbegleitung kommt vervielfacht bei den Kindern an – und das nicht nur für eine Saison, sondern nachhaltig über viele Jahre und Altersstufen hinweg. Es ist eine direkte Investition in engagierte Menschen und damit in das Fundament und die Zukunft unseres Vereins und unseren Sport.

«Jeder Franken in die Trainerbegleitung kommt vervielfacht bei den Kindern an.»

Red Lions: Die neue Stelle startet im ersten Jahr als Pilotprojekt und wird zusätzlich vom Migros-Kulturfonds unterstützt. Was wollt ihr in diesem Jahr lernen – und könnten diese Erfahrungen später auch anderen Vereinen helfen?

Benny Heins: Im ersten Jahr wollen wir herausfinden, wie diese Unterstützung im echten Trainingsalltag am besten greift: Welche Formen der Begleitung schätzen die Trainerinnen und Trainer? Wo drückt im Trainingsalltag tatsächlich der Schuh, und wie organisieren wir den Austausch möglichst wirksam? Welche Weiterbildungsangebote werden angenommen?

Wir gehen mit grosser Lernbereitschaft an die Sache heran und sind dankbar mit der Migros eine unterstützende Partnerin dafür gefunden zu haben. Fast jeder Breitensportverein steht heute vor denselben Hürden: Viel Herzblut vorhanden, aber immer komplexere gesellschaftliche Rahmenbedingungen und knappe Ressourcen. Wir massen uns keineswegs an, anderen zu erklären, wie Vereins- und ehrenamtliche Arbeit geht. Wenn unser Modell aber funktioniert und wir Erfahrungen weitergeben können, die auch anderen Thurgauer Vereinen nützen, diese vielleicht sogar auf den Zug aufspringen, dann hat dieses Projekt sogar einen vielfachen Mehrwert.

 

Red Lions: Wenn du fünf Jahre vorausblickst: Was möchtest du dann in unseren Hallen sehen, damit du sagen kannst: «Born to be a Lion» funktioniert?

Benny Heins: Hallen voller Energie, Spielerinnen und Spieler, die mit Freude einen Stock in der Hand haben, Kinder, die mit Begeisterung Unihockey spielen. Dazu Trainerinnen und Trainer, die zufrieden und mit Freude an der Bande stehen. Und Teams, bei denen man an der Spielweise und am Auftreten sofort merkt: Das sind Red Lions – mutig, spielstark, fair und mit klarer Haltung.

Besonders glücklich wäre ich, wenn in fünf Jahren ehemalige Juniorinnen und Junioren selbst als junge Coaches oder Funktionäre Verantwortung übernehmen und das weitergeben, was sie bei uns erfahren haben. Wenn wir weiterhin volle Trainingshallen haben, Jugendliche dem Verein langfristig verbunden bleiben und wir zugleich Talente auf ihrem Weg in die höchsten Ligen begleiten dürfen, dann haben wir vieles richtig gemacht.

«Besonders glücklich wäre ich, wenn in fünf Jahren ehemalige Juniorinnen und Junioren selbst als junge Coaches oder Funktionäre Verantwortung übernehmen.»

Red Lions: Benny, zum Schluss sitzt dir ein Mitglied unserer Gönnervereinigung Löwenherz gegenüber und fragt dich ganz einfach: «Was bewirkt eigentlich mein Beitrag?» Was antwortest du ihm?

Benny Heins: Dein Beitrag sorgt dafür, dass heute Abend eine ehrenamtliche Trainerin oder ein Trainer mit einem klaren Plan, einem guten Gefühl und echter Motivation in die Halle geht. Und genau deshalb geht 90 Minuten später ein neunjähriges Kind nach Hause, hat ein grossartiges Training erlebt, mit neuen Freunden viel Spass gehabt, sich ausgepowert und an Selbstvertrauen gewonnen.

Du finanzierst keine bestehenden Strukturen – du ermöglichst 150 Kindern und Jugendlichen Woche für Woche eine gesunde, sichere und prägende sportliche Heimat als Ausgleich zum herausfordernden Alltag.

Wir als Jugendabteilung der Red Lions verstehen uns als «Möglichmacher» - im Rahmen der begrenzten zeitlichen, finanziellen und infrastrukturellen Mittel, die uns zu Verfügung stehen. Viele Menschen engagieren sich täglich in der Abteilung mit grossartigem Einsatz für die Kinder und Jugendlichen, die zu uns kommen, um Unihockey zu spielen. Dein Beitrag hilft uns dabei ein Stück weit «mehr möglich zu machen». Von Herzen danke dafür!

«Dein Beitrag sorgt dafür, dass heute Abend eine ehrenamtliche Trainerin oder ein Trainer mit einem klaren Plan, einem guten Gefühl und echter Motivation in die Halle geht. Und genau deshalb geht 90 Minuten später ein neunjähriges Kind nach Hause, hat ein grossartiges Training erlebt, mit neuen Freunden viel Spass gehabt, sich ausgepowert und an Selbstvertrauen gewonnen.»

Ein grosses Dankeschön an Benny für das Gespräch und an alle Trainerinnen und Trainer, Gönner, Partner und Engagierten, die diesen Weg mit uns gehen und unsere Nachwuchsarbeit möglich machen.

Zäme für die nächste Generation. Zäme Red Lions.